Unterrichtsprinzipien

Der Lernprozess ist eine individuelle Angelegenheit, der sich einer direkten Einflussnahme entzieht, d.h. wir können nicht erzwingen, ein Lernangebot zu übernehmen, wohl aber können – und müssen – wir versuchen,eine Auseinandersetzung mit dem Angebot zu ermöglichen und zu erleichtern, so dass Lernen stattfinden kann. Dazu haben sich bestimmte Prinzipien bewährt, die für die didaktisch-methodische Aufbereitung des Unterrichts von großer Bedeutung sind:

Strukturierung
Unterricht ist ein sehr komplexer Prozess – eine Vielzahl von Personen interagiert in unterschiedlicher Form. Um ihn durchschaubar zu machen, ist es notwendig, bestimmte Strukturen zu etablieren u.a. im Unterrichtsaufbau oder in der Raumnutzung. Das Lernziel muss in einzelne, kleine, überschaubare Schritte gegliedert werden. Schwierigkeitsgrad und Tempo der Abfolge planen wir kindentsprechend.


Selbstwertgefühl steigern

In ihrer Biografie machen insbesondere unsere Kinder viele Erfahrungen, die sich negativ auf ihre Selbstwahrnehmung auswirken. Wir müssen versuchen, ihnen Erfolgserlebnisse zu ermöglichen. Wir bekräftigen ihre individuellen Erfolge – verlieren lernt man nicht durch verlieren sondern durch Stärkung der Persönlichkeit

Lebensbedeutsamkeit
Die Kinder müssen einen subjektiven Sinn und konkreten Nutzen für ihr aktuelles Leben in ihrem Handeln sehen. Von daher stellen sich in unserer Erziehungs- und Bildungsarbeit viele natürliche Situationen als echte und bedeutsame Unterrichtssituationen dar, die – didaktisch aufbereitet – genutzt werden.

SelbständigkeitSelbsttätigkeit/Handlungsorientierung
Die natürlichen Situationen des Alltags erfordern eigenes Tun. Wo immer möglich, geben wir den Kindern Gelegenheit, ihr Lernen „ selbst in dieHand zu nehmen“. Dieses „learning bei doing“ findet in Alltagsbezügen statt, was die Möglichkeit bietet, in realen Lebenssituationen für reale Lebenssituationen zu lernen. Im Unterricht wird laufend Gelegenheit geboten durch selbsttätiges Handeln Erfahrungen zu sammeln und dadurch Vorstellungen und Denken zu entwickeln. Wir schaffen Raum und Atmosphäre, lassen das Kind ausprobieren, selbst tun und machen und nehmen dabei insbesondere uns selbst zurück.

 

Ganzheitlichkeit und Lebensunmittelbarkeit
Plätchen backenKönnen die Kinder selbst handeln sind sie mit Kopf, Herz und Hand (Pestalozzi) beteiligt, also als Mensch in seiner Ganzheit angesprochen. Der Begriff der Ganzheitlichkeit bezieht sich aber auch darauf, dass Sachverhalte und Gegenstände in den realen Zusammenhängen erlebt und nicht isoliert herausgegriffen werden. Zum Tragen kommen dabei außerdem das Prinzip des mehrkanaligen Angebotes: Je nach präferiertem Wahrnehmungskanal können Gegenstände betastet, berochen, betrachtet, befühlt etc. werden, um sich einen Zugang dazu zu erwerben. Die Auswahl der Lernsituation, der Gegenstände und der Unterrichtsthemen orientieren sich an den konkreten, altersgemäß bedeutsamen Einheiten. Sachverhalte sind in realen Gegebenheiten über die verschiedenen Wahrnehmungsbereiche zu erfahren und werden über die kognitive Ebene vertieft.

 

Rhythmisierung
Um dem Leistungspotenzial der Kinder Rechnung zu tragen, werden immer wieder Wechsel in Sozial- und Arbeitsform durchgeführt um z.B. Spannung – Entspannung, Neuerwerb – Wiederholung im Gleichgewicht zu halten.

Aktionsbegleitendes Sprechen
Sprache ist Mittel zur Kommunikation und des Denkens. Handlungen sprachlich zu begleiten, kann helfen, Prozesse zu strukturieren, konzeptionalisieren, zu realisieren, antizipieren u./o. regulieren.

Vorgehen in kleinen Schritten
Es ist notwendig, einen Unterrichtsinhalt zu analysieren und gegebenenfalls im Rahmen einer didaktischen Reduzierung kleine Unterrichtseinheiten in logisch aufbauenden Schritten darzubieten. Somit kann auf jedem Lernniveau eine Auseinandersetzung ermöglicht werden, die von Erfolg gekrönt ist.

Wiederholung und Übung
Jedes Kind hat ein eigenes Lerntempo und einen eigenen Lernrhythmus. Es benötigt verschiedene Möglichkeiten um sich mit einem Lerngegenstand auseinander setzen zu können. Dieser sollte möglichst varianten-reich und attraktiv bleiben. Angebahnte Fähigkeiten werden durch wiederholte und variierte Übungen gefestigt und für neue Situationen verfügbar gemacht.

Individualisierung und Differenzierung
Kinder sind Individuen mit ihnen eigenen Charakteristika. Dementsprechend werden Lernangebote innerhalb einer Gruppe unterschiedlich gestaltet – mal für Kleingruppen, mal auch für Einzelne. Unterschieden wird dabei z.B. nach den Zielen, Inhalten, nach dem Maß der Hilfe durch eine Lehrkraft oder dem Einsatz besonderer Hilfsmittel. Die großen Unterschiede der Kinder auch in einer kleinen Gruppe erfordern individuell angemessene Lernangebote. Ohne die Differenzierung wäre ein gezieltes Lernen kaum möglich; sowohl die äußere Differenzierung in verschiedenen Lerngruppen wie auch die inneren Differenzierung, die das unterschiedliche Leistungsvermögen der einzelnen Kinder berücksichtigen sind von großer Wichtigkeit. Eine zu große Gruppe kann z.B. Unruhe bewirken, zu einer Aufmerksamkeitsproblematik führen, Unzufriedenheit verstärken, eine Überforderung mit sich führen. Jedes Kind wird da abgeholt, wo es steht – mit all seinen Bedürfnissen, Interessen, Wünschen, Vorlieben …, wobei wir das Kind einfühlsam begleiten, beobachten und versuchen zu spüren, was das Kind braucht!

Kinder tragen gemeinsam eine LeiterSoziales Lernen
Bei allen individuellen Besonderheiten ist der soziale Rahmen ein zentrales pädagogisches Prinzip. Lernen findet in einer Umgebung statt, die so gestaltet werden sollte, dass sie förderlich wirkt. Die Interaktion in der Gruppe soll dem einzelnen Kind ermöglichen, seine Persönlichkeit zu entfalten, soziale Erfahrungen zu sammeln, ein Selbstwertgefühl aufzubauen und Identität zu gewinnen. Grundlegende Voraussetzung für das Gelingen der Förderung ist eine Atmosphäre von Zuwendung, Geborgenheit, Vertrauen, Sicherheit. Eine relativ enge Beziehung zwischen den Kindern und uns Erwachsenen ist für die Arbeit wichtig.

Zeitstruktur
Unser Kindergarten ist in Ganztagsform organisiert. Durch eine entsprechende Tagesgestaltung mit differenzierten Förder-, Freizeit- und Ruheangeboten können wir dem Lernniveau und -rhythmus unserer Kinder Rechnung tragen. Gearbeitet wird nach einem Stundenplan, welcher täglich drei Arbeitsblöcke beinhaltet. Es ist wichtig, das die Kinder mit Hilfe des Stundenplans, einen immer wieder kehrenden Rhythmus erfahren. Nach kurzer Zeit orientieren sich viele Kinder an Hand des Stundenplanes am Tages- und Wochenrhythmus. Dies gibt ihnen Halt und ein Gefühl von Sicherheit.

Lehr- und Lernformen
Unterrichtliche Inhalte werden in unterschiedlichen Sozialformen vermittelt, wie z.B. i
n Einzel-, über Partner- und Kleingruppenarbeit bis hin zur Gesamtgruppe. Besonderes Augenmerk gilt stets der Frage, ob ein möglichst direkter Zugang zum Lerngegenstand, eine „originale Begegnung“ ermöglicht bzw. inwieweit Sachverhalte veranschaulicht werden können. Exkursionen und Unterrichtsgänge haben eine große Bedeutung, da hier in Realsituationen gelernt werden kann. Kinder auf der LeiterDer Unterricht findet in der Regel als ganzheitlicher, die Bildungs- und Entwicklungsfelder übergreifender, Unterricht innerhalb der Gruppe statt. Der ständige Wechsel zwischen den verschiedenen Unterrichtsformen erfordert sowohl eine angemessene räumliche Strukturierung als auch eine entsprechende Ausstattung mit den verschiedensten Lehr- und Lernmitteln.

Vorhabenunterricht/ epochale Rahmenplanung

Damit wird ein stark handlungsbezogener Unterricht beschrieben, der dem Lernverhalten der Kinder unserer Einrichtung entgegenkommt.Es geht dabei um die Arbeit unter einer übergeordneten Thematik in einem für die Kinder erkennbaren und sinnvollen Zusammenhang, welcher wichtig für ihre Bereitschaft zur Mitarbeit ist. Die Kinder mit ihren Bedürfnissen, Interessen und Fähigkeiten sind Ausgangspunkt für verschiedenartige Lernangebote. Gefordert und zugleich gefördert wird Handlungskompetenz: Selbstständigkeit kann nur durch selbstständiges Handeln erreicht werden. Wir planen und arbeiten themenzentriert (epochale Rahmenplanung). Dies erleichtert ein fächerübergreifendes Lernen und entspricht dem geforderten ganzheitlichem Ansatz. Die Inhalte entsprechen den Erfahrungsmöglichkeiten und dem Entwicklungsstand unserer Kinder. Sie sollen dort anknüpfen und im Verlauf des Unterrichtes dann Wissen, Kenntnisse, Einsichten und Abspeicherung des Gelernten vermitteln. Die dabei zum Tragen kommenden Fördermaßnahmen im pädagogischen, therapeutischen und pflegerischen Bereich sind dem Entwicklungsstand des jeweiligen Kindes angepasst. So wird das Kind in seinen täglichen Lebens- und Spielvorgängen begleitet.