Übergänge gestalten

Übergänge sind zeitlich begrenzte Lebensabschnitte, in denen markante Veränderungen geschehen und Phasen beschleunigten Lernens. Auslöser sind Ereignisse, die der Einzelne als einschneidend erlebt, weil sie für ihn erstmals oder nur einmal in seinem Leben vorkommen. Es sind kritische Lebensereignisse, deren Bewältigung die persönliche Entwicklung voranbringen, aber auch erschweren können, die Freude und Neugier auf das Neue ebenso hervorbringen können wie Verunsicherung und Angst.
Übergänge entstehen unter anderem beim Eintritt in den (Schul-)Kindergarten und beim Verlassen unserer Einrichtung. Immer handelt es sich um eine Phase des Umbruchs, in der das Kind mit einer neuen Situation und/oder Umgebung konfrontiert wird und die damit verbundenen Anforderungen meistern muss. Dies ist ein Prozess, in dessen Verlauf es möglicherweise anders als gewöhnlich reagiert, weniger belastbar erscheint, empfindlicher ist oder Formen auffälliger Verhaltensweisen wie etwa Rückzug oder Regression zeigen kann. Eltern, Familienmitglieder, sonstige Bezugspersonen und Pädagogen helfen dem Kind, die neuen Aufgaben zu meistern indem sie dem Kind Zuversicht/-trauen vermitteln und es verständnisvoll begleiten.

Das Übergangserleben ist ab der Aufnahme ein prozesshaftes Geschehen, welches Orientierung in den ersten Tagen, Eingliederungsbemühungen in den ersten Wochen und Eingewöhnung in den ersten Monaten umfasst. Erfolgreiche Übergangsbewältigung stärkt das Kind und bereichert seine Identität. Es eignet sich Kompetenzen an, die es im Umgang mit Veränderungen in seinem Leben braucht, nämlich sich auf neue Situationen einzulassen, sich mit diesem auseinanderzusetzen und sich zu verändern. Es erfährt, dass Übergänge eine Herausforderung sind und keine Belastung. Es erlangt Selbstvertrauen, Flexibilität und Gelassenheit mit Blick auf weitere Übergänge.

Damit die Schnittstellen zwischen den einzelnen Übergängen/Stationen nicht zu Bruchstellen werden, ist es unabdingbare Aufgabe von allen an der Erziehung Beteiligten (Eltern – Schulkindergarten – Schule), die Kinder auf ihrem Weg zu begleiten.

Übergang von der Familie in den Schulkindergarten

Der (Schul-)Kindergarten bildet meist den ersten Sozialisationsrahmen außerhalb der Familie und damit für die Kinder die erste Möglichkeit, sich für einige Stunden von seiner Familie zu lösen und eigene Wege in einer neuen Umgebung mit neuen Bezugspersonen zu gehen.
Wir wissen, dass die Trennungssituation für Eltern und Kinder immer eine individuelle und meist sehr stressbeladene Situation ist und verstehen dies. Durch gegenseitiges Vertrauen sowie Offenheit zwischen uns und Eltern wollen wir ein harmonisches Miteinander entstehen lassen, das die wichtigste Grundlage für eine sichere Bindung zwischen uns und dem Kind ist.
Während ein Kind freudig und spontan auf neue Situationen eingeht, wartet ein anderes Kind ab oder ist auch ängstlich. Das eine Kind lernt langsamer, das andere schneller mit neuen Anforderungen umzugehen, während es zu einem routinierten Kindergartenkind heranwächst. Jedes Kind ist anders, jedes Kind bewältigt Übergänge in seinem ihm eigenen Tempo; es bekommt die Zeit für seine Eingewöhnung, die es braucht. Deshalb wird die Anfangsphase der Kinder sorgfältig – gemeinsam mit den Erziehungsberechtigten – von uns vorbereitet, geplant und mit viel Einfühlungsvermögen und Sensibilität gestaltet. Die intensive Zusammenarbeit mit den Eltern ist uns in dieser Zeit besonders wichtig.

So bereiten wir Kinder und Eltern auf den ersten Übergang vor:

  • Besichtigung unserer Einrichtung und Antragstellung auf Aufnahme/ Einzeltermine –  für Eltern und Kind, damit sie einen realen Einblick in unser Tagesgeschehen haben und den pädagogischen Alltag miterleben können. Die Eltern haben die Möglichkeit, offen ihre Wünsche, Vorstellungen, Ängste, Sorgen dazulegen – auch uns evtl. Tipps zu geben, wie wir am besten für ihr Kind den Anfang gestalten können – zu gemeinsamer Planung und somit auch zu wechselseitigem Informations- und Erfahrungsaustausch.
  • Schnuppertage – Teilnahme am Morgenkreis und dem allgemeinen Geschehen innerhalb der künftigen Kindergruppe. Hierbei werden erste Einblicke gewonnen und erste Kontakte hergestellt
  • Gestaffelte Aufnahme im September/Oktober-  damit sich die Lehrkraft mehr Zeit für das einzelne neue Kind nehmen kann.
  • Langsame Eingewöhnung – stundenweise Besuche in der Gruppe (bei Bedarf mit der Bezugsperson)
  • Kuscheltier/Schnuppertuch und/oder Schnulli mitbringen – oder etwas anderes Vertrautes von zu hause, das dem Kind Halt gibt
  • langsame Steigerung der Anwesenheitsdauer
  • regelmäßige Infos an die Eltern – (Telefonate wie es läuft …)

Die Beziehung, die zwischen Lehrkraft und Kind entsteht, ist qualitativ grundsätzlich anders als die Beziehung, die Eltern zu ihren Kindern entwickeln. Sie ist eine Erfahrungserweiterung und stellt keine Konkurrenz zu den Eltern dar.

Nach der Eingewöhnungszeit weiß das Kind, dass der Besuch unserer Einrichtung keine kurze Episode in seinem Leben ist, sondern nun zu seinem Alltag gehört. Es erfährt täglich, dass es hier willkommen ist und erhält in der Gruppe vielfältige Erfahrungs- und Anregungsmöglichkeiten, die es in einer Kleinfamilie so nicht geben kann.

Übergang vom Schulkindergarten in den allgemeinen Kindergarten oder einen anderen Schulkindergarten

Im Rahmen von Langzeitbeobachtungen sowie stetigen Entwicklungsgesprächen mit den Erziehungsberechtigten als auch fachlichem Austausch im Team ist fortwährend in Erwägung zu ziehen, ob a) Mittel und Methoden anderer Schulkindergärten (z.B. für Hörgeschädigte oder Sprachbehinderte) zwischenzeitlich zur weiteren Förderung des Kindes besser geeignet erscheinen oder b) es in seiner Entwicklung nunmehr soweit gefördert und stabilisiert werden konnte, als dass nunmehr der Wechsel in einen allgemeinen Kindergarten angezeigt erscheint.
In diesen Fällen versuchen wir den Übergang des Kindes in die andere Einrichtung vorzubereiten, sofern auch die Eltern dies wünschen und dort die für das Kind erforderlichen Rahmenbedingungen vorherrschen. Nach erreichter Übereinkunft wird durch Zusammenwirken der jeweiligen Partner (andere Einrichtung – Eltern – unsere Einrichtung) die Eingliederung des Kindes in den aufnehmenden Schulkindergarten oder allgemeinen Kindergarten vorbereitet, durchgeführt und begleitet im Sinne von Gesprächs- und Informationspartnerschaft.
Nach Ablauf einer individuell vereinbarten Probezeit, wird gemeinsam über einen endgültigen Übergang entschieden.
Diesen sehen wir als gelungen und beendet an, wenn …
das Kind sein Wohlbefinden in dieser neuen Lebenswelten zum Ausdruck bringt, es sozialen Anschluss gefunden hat sowie die (Bildungs-) Anregungen der neuen Umgebung aktiv für sich nutzen kann und Probleme ausbleiben.

Übergang vom Schulkindergarten in die Schule

Kinder sind in der Regel hoch motiviert, sich auf den neuen Lebensraum Schule ein zu lassen. Jedes Kind soll in die Schule kommen, wenn es das Einschulungsalter erreicht hat. Es wird in der Schule dort abgeholt, wo es in seiner Entwicklung steht. Das Kind erwirbt während der Kindergartenzeit vorschulische Kompetenzen, um zusammen mit den Eltern und den anderen Beteiligten die neuen und herausfordernden Aufgaben, die mit dem Wechsel in die Schule verbunden sind, zu bewältigen.
Elternhaus, Schulkindergarten und Schule sind Partner in gemeinsamer Verantwortung für das einzuschulende Kind. Gespräche, Besuche und Hospitationen lassen Vertrauen wachsen, das sich positiv auf die Kinder auswirkt.
Mit Beginn des letzten Schulkindergartenjahres suchen wir das Gespräch mit den Erziehungsberechtigten der zum folgenden Schuljahr schulpflichtig werdenden Kinder. Gemeinsam mit den Eltern tauschen wir uns über den Entwicklungsstand des Kindes – im Sinne von „Wo steht das Kind? Was braucht das Kind?“ – mit B
lick auf die bevorstehende Schulpflicht aus. Wir beraten und informieren über die verschiedenen Schulmöglichkeiten und die Schulart, welche am ehesten den Bedürfnissen, Interessen, Fähigkeiten und Fertigkeiten des Kindes entspricht. Es fließen auch Informationen/Erklärungen hinsichtlich des Verfahrensablaufes mit ein.
Die Schulauswahl richtet sich nach dem Entwicklungsstand und Förderbedarf des einzelnen Kindes und den Wünschen der Erziehungsberechtigten. Die Anmeldung des Kindes an einer Schule erfolgt durch die Erziehungsberechtigten.

Übergang in die Karl-Georg-Haldenwang-Schule

Kinder, die in die Sonderschule für Geistigbehinderte eingeschult werden, haben den Vorteil einer vertrauten Busbeförderung und Umgebung und Personen (z.B. Hausmeister, Sekretärin, einiger Sonderschullehrkräfte als auch SchülerInnen, welche mit ihnen im Bus fahren). Dies wird zusätzlich durch häufige Besuche auf dem Spielplatz und Pausenhof der Schule, durch die – im Schulhaus untergebrachte – gemeinsame Essens-/Teeausgabeküche und Kopiermöglichkeit gefördert und so der Übergang in die Schule erleichtert.
In den beiden letzten Monaten vor der Einschulung können gegenseitige Besuche –  Lehrkraftbesuch und/oder Schulklasse im Schulkindergarten und/oder unsere künftigen Schulanfänger besuchen eine Klasse in der Schule – Umsetzung finden. So wird den Kindern möglichst viel an Vorerfahrungen über die Schule vermittelt und ihre Vorfreude auf noch mehr geweckt.
Soweit möglich tauschen sich künftige und gegenwärtige Lehrkraft über die Entwicklung der einzelnen Kinder bereits vor dem Einschulungstermin aus, sofern hierfür das schriftliche Einverständnis der Erziehungsberechtigten vorliegt. Dabei können der Förderbedarf und geeignete Fördermaßnahmen weitergeben werden.
Gegenseitige Einladung zu Festen und Veranstaltungen sind für uns selbstverständlich wie auch die Teilnahme an pädagogischen Fortbildungsveranstaltungen der Schule.

Übergang in eine andere Schule

Wenn es sich beim künftigen adäquaten Lernort um eine andere Schulart und – ort handelt wie beispielsweise die Schule für Sprachbehinderte, eine der 5 Förderschulen hier im Landkreis oder eine der 4 Körperbehindertenschulen außerhalb des Landkreises, empfehlen wir den Erziehungsberechtigten eine frühzeitige Kontaktaufnahme mit diesem – auch im Hinblick auf etwaige Möglichkeiten zu Hospitationsbesuche im Unterricht, gemeinsame Spaziergänge mit dem Kind über das künftige Schulgelände und Spielmöglichlichkeiten auf deren Pausenhof/Spielplatz … – damit die künftige Einrichtung dem Kind allmählich vertraut wird.

und natürlich …Ausflug der künftigen Schulanfänger

Verabschiedung der künftigen Schulanfänger beim Sommerfest