Wahrnehmungsangebote

Sinneserfahrungen gelten als Basis jeglichen Lernens; über die Sinneskanäle nehm-en Kinder zuerst sich selbst wahr und dann ihre Umwelt. Sie begreifen über „be-greifen“, d.h. Lernen findet immer mit allen Sinnen statt. So erobern Kinder ihre Welt.

Wahrnehmen ist ein aktiver, stetiger Prozess, bei dem sich das Kind mit allen Sinnen seine Umwelt erobert, aneignet und sich mit ihren Gegebenheiten auseinandersetzt. Durch die Sinne begegnet es den Lebewesen und den Dingen, es kann sie riechen, hören, fühlen, anfassen, schmecken und sich mit ihnen bewegen. Das Kind erhält Eindrücke über seine Umwelt und über sich selbst in Zusammenhang mit ihr.

Einige dieser Sinnessysteme sind uns allen sehr vertraut:Barfuss verschiedene Untergründe

  • das visuelle System (Sehen/Augen),
  • das auditive System (Hören/Ohren),
  • das gustatorische System (Geschmack/Mund, Mundhöhle, Zunge, Gaumen),
  • das olfaktorische System (Geruch/Nase).

Es gibt jedoch auch uns weniger vertraute Sinnessysteme, welche gleichwohl eine enorme Bedeutung für uns Menschen haben:
Das taktiles System vermittelt Sinneseindrücke der Haut durch tasten, berühren und berührt werden.
Wir nehmen Berührungsqualitäten, Temperatur, Schmerz, Vibration und Druck wahr.
Das kinästhetische System informiert uns mit Hilfe der Muskeln, Gelenke, Sehnen und Bänder über die Stellung und Bewegung unserer Körperteile, es ist verantwortlich für den angemessenen Einsatz von Kraft und Spannung bei Bewegungen. Das kinästhetische Sinnessystem ist – neben dem Tastsinn und dem Gleichgewichtssinn – das am frühesten funktionierende Sinnessystem in der kindlichen Entwicklung.
Das vestibuläre System mit Gleichgewichtsorganen im Innenohr informiert uns über
Lageveränderungen und über die Schwerkraft. Es beginnt sich bereits zwischen der sechsten und achten Schwangerschaftswoche zu entwickeln.
Diese am frühesten entwickelten Sinne bilden die Grundlage für eine sinnvolle Aufnahme und Integration von Informationen, die über die später ausgebildeten Sinne aufgenommen werden. Die Wahrnehmungsentwicklung gleicht dem Wachsen eines Baumes, die Wurzeln bilden die sogenannten Körpersinne:

Wahrnehmung ist also die Voraussetzung für jegliches Lernen.
Füsse waschenDie Wahrnehmungsentwicklung beginnt bereits im Mutterleib. Die Sinnesorgane sind vom ersten Tag an funktionsfähig; ihre Zusammenarbeit entwickelt sich jedoch erst im Laufe der ersten Lebenswochen/-monate.
Der Verlauf ihrer Entwicklung hängt wesentlich vom Gebrauch ab; jede Handlung des Kindes führt zu Erfahrungen, welche die Wahrnehmungsfähigkeit weiter differenzieren.
Um Wahrgenommenes richtig verstehen und darauf sinnvoll reagieren zu können, müssen die Sinnessysteme optimal aufeinander abgestimmt sein und funktionieren. Besteht der Verdacht auf eine Wahrnehmungsstörung, sollte ein medizinische Untersuchung abklären, ob eine Schädigung des betreffenden Sinnesorganes vorliegt (Hör-/Sehprüfung). Jedoch kann trotz funktionierender Sinnesorgane eine Wahrnehmungsstörung vorliegen, da diese häufig den Prozess der Reizverarbeitung im Gehirn betrifft.
Störungen der kindlichen Wahrnehmung zeigen sich durch unterschiedlichste Sym-tome (fehlende/geringe Aufmerksamkeit, kein Blickkontakt, stereotype Verhaltensweisen, Defizite im Spracherwerb, taktile Abwehr).
Die gezielte Steuerung eines Bewegungsablaufes und die Dosierung des Kraftein-satzes ist z.B. erschwert, motorische Unruhe und Unsicherheit, mangelnde räumliche
Vorstellung … sind ersichtlich und haben zahlreiche Auswirkungen auf die kindliche
Entwicklung.

Ziele der Wahrnehmungsförderung

  • Die Sinne entwickeln, schärfen und schulen (sich bewegen, sich spüren, hören, sehen, riechen, tasten, schmecken)
  • Die Bedeutung und Leistung der Sinne erfahren
  • Die Sinne nutzen um sich die Welt anzueignen, sich in ihr zu orientieren und sie mitzugestalten
  • Die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Sinnesbereichen entwickeln

Die sinnliche Entwicklung fördert gleichzeitig die kognitive Entwicklung, ist eng verbunden mit der Entwicklung des Sprachvermögens und der Denkfähigkeit. Wahrnehmung mit allen Sinnen fördert Konzentration, Aufmerksamkeit und Ausdauer.

Um unsere Ziele zu erreichen, vermitteln wir den Kindern Kenntnisse z.B. über Farbe, Form, Raum und Zeit, Gegensätze, Ordnen/Zuordnen, Verallgemeinern, Beziehungen untereinander, sprachliche Bezeichnung von Handlungen …

Inhalte der Wahrnehmungsförderung

  • Wahrnehmungsförderung ist einer der wichtigsten Bestandteile unseres Kindergartenalltages und findet sich in allen Angeboten (Spiel, Bewegung, Ästhetische Erziehung, …) wieder. Dabei berücksichtigen wir die wichtigen Prinzipien der Wahrnehmungsförderung: direkte Erfahrungen, Eigentätigkeit und Ganzheitlichkeit!
  • Die Umsetzung der Wahrnehmungsförderung findet statt durch eine anregende Umgebung und Angebote:
  • Alltagsaktivitäten
  • Einzelförderung und oder Kleinstgruppen
  • Unterrichtsprinzip in allen Lernbereichen
  • spezielle Lernvorhaben mit der ganzen Gruppe

Wir bieten den Kindern eine Umwelt, die ihrem Bedürfnis nach Aktivität und selbständigem Handeln entgegenkommt. Durch eine die Sinne anregende Gestaltung der Umgebung (Gruppenräume, Flurbereich, …) fordern wir die Kinder zu Aktivität, zum Handeln heraus. Wir bieten Raum zum ausprobieren, experimentieren, Fehler machen und wecken die Neugierde der Kinder (der Motor der Entwicklung ).

Im Bereich der Sensorik fördern wir kognitive Fähigkeiten durch vielfältiges Sinnesmaterial und unterschiedliche Methoden, arbeiten gezielt in Kleingruppen oder in Form der Einzelförderung und setzen beispielsweise ein:
Angebote wie Freispiel, Entspannung und Bewegung, Massage, Musik und Rhythmik, Spiel im Freien, Spaziergänge, Experimente, Fingerspiele …
Dabei nutzen wir vielfältige Materialien wie Motorik- und Geschicklichkeitsmaterial, Klang- und Geräuschmaterial, Tastmaterial, Modellier- und Farbmaterial, Bau- und Konstruktionsmaterial, Material zur optischen Differenzierung, Spiegelflächen, geometrische Körper, Lege- und Steckspiele, Alltagsmaterialien (Wasser, Erde, Steine, Sand, Wind, Holz, Papier, Stoff, Naturmaterialien …)

„Nur durch das Tor der Sinne zieht die Welti n das Gemüt des Menschen ein“

(Maria Montessori)