Sozial-emotionales Geschehen

Die sozial-emotionale Entwicklung ist ein bedeutender und komplexer Baustein der menschlichen Entwicklung; jedes Kind trägt von Geburt an aktiv zum Gelingen dieser bei.

Kinder beim Plätzchen ausstechenDie sozial-emotionale Entwicklung vollzieht sich dabei auf zwei Ebenen, welche sich wechselseitig bedingen: auf der Persönlichkeitsebene und der des sozialen Lernens.Kinder entwickeln im Kontakt untereinander und mit Bezugspersonen Fähigkeiten, sich als eigenständige Person zu erleben und zu erfahren, ihre Gefühle wahrzunehmer und auszudrücken.und erlernen ebenso sie im Umgang miteinander soziale Verhaltensweisen wie Rücksichtnahme und Hilfsbereitschaft, das Zurückstellen eigener Bedürfnisse zugunsten der Gruppe, Gemeinschaftsfähigkeit, entwickeln Kontakt-, Gesprächs- und Konfliktfähigkeit, entdecken Eigeninitiative, Entscheidungsfähigkeit und –freiheit, lernen sich durchzusetzen und sich anzupassen und die Fähigkeit, ihre Beziehungen zu anderen Menschen kompetent zu gestalten. Hierbei spielt die emotionale Entwicklung eine herausragende Rolle. Sie vollzieht sich im Kontext anderer Entwicklungsbereiche wie Wahrnehmung, Kommunikation, Denken und/oder Bewegung.

Unsere Kinder kommen sowohl aus verschiedenen Nationen und Kulturkreisen als auch aus allen sozialen Schichten. So unterschiedlich die Elternhäuser sind, so breit gefächert sind auch die Normen und Wertvorstellungen, welche die Kinder aus ihrer bisherigen Lebenswirklichkeit mitbringen. Es ist uns wichtig, alle Kinder in ihrer Individualität zu respektieren und zu schätzen, sie in die Kindergartengemeinschaft zu integrieren und ihre sozial-emotionalen Kompetenzen zu stärken und sie damit zu befähigen, mit ihren individuellen Entwicklungs-beeinträchtigungen ein selbstbestimmtes und selbstverantwortliches Leben zu führen.

Mögliche Ziele in der sozial-emotionalen Entwicklung

  • Verständnis von sich als eigenständige Persönlichkeit erlangen (Identitätsentwicklung)
  • Wahrnehmung von unterschiedlichen Rollen in verschiedenen sozialen Gruppen  (Elternhaus – Kindergartengruppe)
  • Aufbau eines positiven Selbstbildes und Selbstwertgefühles
  • Gefühle und Bedürfnisse wahrnehmen und ausdrücken können
  • lernen, mit Grenzen, Frustrationen/Enttäuschungen und Aggressionen angemessen umzugehen
  • angstfrei und neugierig die Welt erkunden können
  • Bewusstsein eigener Handlungsfähigkeit
  • soziale Bindungen/Beziehungen zu anderen aufbauen
  • Aufbau eines Zugehörigkeits- und Sicherheitsgefühles
  • sich mit anderen Kindern/Erwachsenen auseinandersetzen und sich auf sie einstellen
  • soziale Regeln erfassen und sich darauf einlassen können
  • den strukturierten Tagesablauf mit verlässlichen Bezugspersonen und Regeln als Sicherheit und Orientierungshilfe erleben

Praktische Umsetzung in unserer Einrichtung

SchuhanprobeSowohl in der Gesamtgruppe als auch in Kleingruppen und in Einzelfördersituationen können die Kinder sozial-emotionale Erfahrungen machen. Sie lernen von und miteinander, die Kleinen lernen von den Großen – aber auch wir sind den Kindern ein Vor-bild im Umgang miteinander und achten deshalb auf Mimik, Gestik, Sprache und unser Verhalten.
Erfahrungen machen geschieht bei uns auf ganz unterschiedliche Weise. Schon in unseren kleinen Gruppen sind ganz unterschiedliche Kinder zusammen. Es gibt viel Raum für individuelle Beschäftigungen, aber auch Gemeinsamkeiten. Beim Morgenkreis z.B. erleben sich die Kinder als Teil einer Gemeinschaft. Andere wahrnehmen, selbst im Mittelpunkt stehen, Rücksicht nehmen, sich an gemeinsame Regeln halten … sind Dinge, welche hierbei in der natürlichen Situation erlebt, erfahren und geübt werden.
Aber auch in gelenkten, d.h. angeleiteten Fördereinheiten stecken vielfältige Gelegenheiten, sich zum einen als eigenständige Person und zum andern sich als Teil einer sozialen Gruppe wahrzunehmen. Dies kann z.B. durch spezielle Angebote wie den Einsatz von Geschichten, Fingerspielen, Liedern, mit Hilfe von Kreis- und Gesellschaftsspielen, durch gemeinsames Erleben und Tun („zusammen sind wir stark“)unterstützt werden. Auch während des Freispiels – ob allein, parallel zu anderen Kin-dern oder gemeinsam mit ihnen – stecken zahlreiche Möglichkeiten etwas über sich selbst zu erfahren. Im Spiel mit Materialien beispielsweise gelingt es dem Kind etwas zu erschaffen; damit verbundene positive Gefühle und Erfolgserlebnisse werden in das Selbstbild integriert.

Wir beobachten bei den Kindern gezielt das Verhalten in der Gruppe, ihren jeweiligen Status und ihre Rolle, ihre Einzelbeziehungen zu anderen Kindern und Erwachsenen. Gruppenprozesse fördern wir gezielt z.B. durch Gespräche, gemeinsame Tätigkeiten und Aktivitäten um voneinander zu lernen; bei kritischen Situationen greifen wir ein.

In gruppenübergreifenden Angeboten erweitern sich die Begegnungsmöglichkeiten. Dazu gehören die beiläufigen Begegnungen im Flur, Waschraum und Garten, im ge-meinsamen gruppen-übergreifendem Morgenkreis. Nicht zuletzt werden zahlreiche Feste und Feiern gruppenübergreifend als Gesamteinrichtung gefeiert.

Aber auch in Form der regelmäßigen Kooperationsbesuche z.B. unserer Außenstelle im benachbarten evangelischen Kindergarten entstehen Begegnungsmöglichkeiten von Kindern mit und ohne Behinderung. Immer wieder ist zu beobachten, wie aus ein-em vorsichtigen Annähern ein selbstverständliches Miteinander wird.

In den ersten Lebensjahren ist die Familie das wichtigste Lernmodell, später kommen verschiedene weitere Beziehungsformen dazu. Unser Schulkindergarten vermittelt durch tragfähige, vertrauensvolle Beziehungen zu erwachsenen Bezugspersonen und zu anderen Kindern Sicherheit, Orientierung und soziales Miteinander. Das Kind erfährt hierdurch verlässliche Bindungen:

„Ich bin willkommen, ich bin wichtig, ich wirke und kann etwas bewirken“