Selbständigkeit und Selbsttätigkeit

Für die lebenspraktische Selbständigkeit und Unabhängigkeit des Kindes von ander-en Personen spielt die Fähigkeit, sich selbst versorgen zu können, eine wesentliche Rolle.
Aus diesem Grund ist es eines der wichtigsten Ziele in unserer Arbeit, die Kinder in ihrer Selbständigkeit und Selbsttätigkeit zu fördern und ihnen darüber zu verdeutlichen, dass sie eigenständige Persönlichkeiten sind, die nicht nur zunehmend selbst handeln, sondern auch entscheiden können.

„Hilf mir es selbst zu tun“Kinder beim Gemüse schneiden

Alle Kinder haben das Recht auf die aktive Selbstgestaltung ihres Lernprozesses und auf eine Entwicklung in dem ihnen eigenen Lerntempo. Dabei wollen wir die Kinder führen und sie unterstützen. Als Gestalter ihrer eigenen Entwicklung tasten Kinder sich in ihren Erfahrungsräumen, einem eigenen Rhythmus folgend, immer weiter vor und eignen sich dabei neue Kenntnisse, Fertigkeiten und Fähigkeiten an. Dies geschieht über konkrete Anschauung, praktisches Tun, ausprobieren, Versuch und Irrtum sowie entdeckendem Lernen. Es gibt genug Raum, Zeit und Phantasie, um sie auf ihren kleinen oder großen Schritten hin zu mehr Selbständigkeit zu begleiten.

Selbstständigkeit und Kompetenz – das Kind entdeckt in seinem Denken und Tun eine zunehmende Unabhängigkeit vom Erwachsenen, seine wachsende Selbstständigkeit und Kompetenz

Produktivität und Selbsttätigkeit – das Kind entwickelt die wachsende Fähigkeit, seine eigenen Bedürfnisse handelnd zu befriedigen – es erwirbt Handlungsfähigkeit.

Gemeinsamkeit und Partizipation (Teilhabe) – durch die Steigerung seiner Handungsfähigkeit lernt das Kind in Gemeinschaft mit anderen zu handeln. Es erlebt Gemeinsamkeit und Partizipation und differenziert seine sozialen Verhaltensweisen aus.

Unsere Kinder sollen im Rahmen ihrer eigenen Möglichkeiten, ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten entwickeln. Dazu gehören beispielsweise eigene Bedürfnisse zu befriedigen, entsprechende Hilfen aufsuchen, Gefahren zu erkennen und ihnen angemessen begegnen zu können, Verantwortung für sich selbst und andere übernehmen,
das Gefühl für Regelmäßigkeit und Sicherheit im Alltag erlernen und Selbständigkeit erwerben. Diese sind wichtige Stationen auf dem Weg zur Selbstverwirklichung in sozialer Integration.

Etliche der von uns betreuten Kinder sind in allen lebenspraktischen Bereichen auf Versorgung, Pflege, Hilfestellung, Anleitung und Übung angewiesen – manche mehr, manche weniger. Hierzu gehören Essen und Trinken, Sauberkeit und Körperpflege, An- und Ausziehen, angemessenes Essverhalten als auch die Sorgfalt für sich selbst und für sein Eigentum sowie die Orientierung in der alltäglichen Umgebung. Wir geben der lebenspraktischen Versorgung und Erziehung im Gruppenalltag sehr viel Raum und Beachtung, wobei wir vielfältige Förderinhalte mit einbeziehen, welche dadurch einen sinnvollen Realitätsbezug erhalten.
Der Alltag im Schulkindergarten bietet dafür vielfältige natürliche Anlässe, alle Bereiche der lebenspraktischen Selbstständigkeit kontinuierlich zu üben und zu fördern(wie beispielsweise Esssituationen bei den gemeinsamen Mahlzeiten, dem Umkleiden zur Mittagsruhe und zum Turnen sowie zum Schwimmen, beim Tischdecken und -abwischen …).
Zur Unterstützung des Lernens von Eigenverantwortlichkeit hat jedes Kind eine mit seinem Namen und Symbol versehene Schublade sowie Handtuchhalterung … für welche es Sorge tragen muss, d.h. es lernt, die entsprechenden Gegenstände immer an Ort und Stelle zu verwahren. Für entsprechende Tätigkeiten ist es notwendig, den Kindern die für sie erforderliche Zeit einzuräumen und ihnen dabei Zutrauen zu vermitteln.

Mit zunehmender Verselbstständigung steigt das Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl des Kindes und erleichtert nachhaltig und umfassend die Persönlichkeitsentwicklung durch das Erlangen zunehmender Handlungskompetenz im Bereich der Selbstversorgung, -ständigkeit, -tätigkeit.

Um dieses Richtziel durchzuführen bedarf es im Tagesablauf der intensiven Förderung des Kindes, um die erlernten Grundfähigkeiten zu verfestigen, zu verbessern und auch in ungewohnten Situationen handlungsbezogen einsetzen zu können. Wir bieten ihnen – im Bewusstsein, dass gerade die lebenspraktische Erziehung eine besondere pädagogische Arbeit darstellt, da all diese Bereiche stark emotional besetzt sind und frühkindliche Beziehungserfahrungen eng damit verbunden sind – Hilfestellungen, um unabhängiger und weniger hilflos zu sein
Kind beim Brot streichen
Entsprechend ist der Alltag an unserer Einrichtung so gestaltet, dass die Kinder angehalten werden, ihre Tätigkeiten soweit als möglich selbstständig durchzuführen.Sich selbst als handelnd und aktiv zu erleben, etwas können und bewirken ist für alle wichtig; wenn Kinder lautstark „ich“ sagen und darauf bestehen, etwas „alleine“ zu machen, dann möchten sie sich als unabhängig und selbständig erfahren, und diese Erfahrung stärkt ihr Selbstbewusstsein. Beim selbständigen Tun geht es gar nicht un-bedingt um die großen Dinge. Zum Beispiel lernt ein Kind alleine in seine Schuhe zu schlüpfen, den Reißverschluss einzuharken, sich alleine die Hände einzuseifen …
Für ein anderes Kind kann ein Schritt zu mehr Eigenaktivität sein, wenn es lernt sich vorzubeugen, wenn seine Jacke angezogen wird.

Kinder mit einer Schwerstmehrfachbehinderung sind im lebenspraktischen Bereich mithin auf vollständige Versorgung und Pflege angewiesen. Diese Situationen versuchen wir in besonderer Weise im Rahmen der sogenannten Förderpflege zu gestalten. Beispielsweise werden gleichzeitig bei der Pflege Angebote zur Körperwahr-nehmung integriert (z.B. wird das Eincremen mit einer Massage verbunden).

Selbständigkeit umfasst aber nicht nur die Bereiche wie An-/Ausziehen, selbständig essen und trinken oder ohne Windeln auszukommen, sondern auch sich selbst wahr-zunehmen, eigene Gefühle und Wünsche zu erkennen und auszudrücken.

Selbständigkeit wird unterstützt durch:
eine vorbereitete und klar strukturierte Umgebung, in der Dinge einfach zu erreichen und auch wieder aufzuräumen sind

  • regelmäßige, in den Tagesablauf integrierte Übungen der einzelnen lebenspraktischen Tätigkeiten
  • das Üben von kleinen Schritten
  • eine Haltung, die dem Kind Zeit lässt und Entscheidungsspielräume gibt
  • Hilfsmittel, wie z.B. eine besondere Schere, Griffhilfe, Schalter (insbesondere für Kinder mit einer Körperbehinderung spielen Hilfsmittel eine wichtige Rolle im Hinblick auf mehr Eigenaktivität und Selbstständigkeit
  • ritualisierte und verlässliche Unterrichtsabläufe, die eine zum Teil langwierige Anbahnung zur selbstgesteuerten und eigenständige Selbstversorgung ermöglichen;
  • auch Mobiliar und sanitäre Einrichtungen sind kindgerecht um diese Lernprozesse mit umzusetzen.

Im Rahmen der Erziehungspartnerschaft mit den Erziehungsberechtigten werden die verschiedenen Lebenswelten des Kindes (z.B. Elternhaus, Kindergarten …) berücksichtigt und in die ganzheitliche Förderung mit einbezogen.

Die so angebahnte Selbstständigkeit unterstützt die Handlungskompetenz der Kinder und stärkt ihr Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein.