Kommunikations- und Sprachförderung

„Kommunikation ist der Austausch von Informationen mit Hilfe des eigenen Körpers in Form von sprachlichen, mimischen, gestischen Vorgängen“. (A. Fröhlich)

Positive soziale Beziehungen leben von dem Gefühl, sich gegenseitig zu verstehen. Auch für die Identitätsentwicklung ist Kommunikation mit anderen Menschen ein grundlegendes Element.

Kinder beim Trampoli hüpfenJedes Kind möchte sich mitteilen, auf sich aufmerksam machen, Befindlichkeiten und Wünsche ausdrücken, gehört und verstanden werden. Um Sprache entwickeln zu können, muss jedes Kind Akzeptanz, Wärme und Liebe von seinen Bezugspersonen erfahren und ausreichende Kommunikationsangebote und Sprachanregungen erhalt-en. Wie gut und differenziert Sprache dann dem einzelnen Kind gelingt, kann – auch in Abhängigkeit des Schweregrades seiner individuellen Beeinträchtigung(-en) – sehr unterschiedlich sein. Lange bevor ein Kind sein erstes Wort spricht kommuniziert es bereits über Mimik, Gestik, Körperhaltung und Intonation mit seinen Bezugspersonen. Der Spracherwerb beginnt mit dem gemeinsamen Handeln: Kinder begreifen ihre Umwelt durch aktives Erforschen und erwerben durch eigenes Handeln Fähigkeiten, die für die Entwicklung der Sprache und des Denkens von grundlegender Bedeutung sind. Sie lernen Spracheverstehen und Sprechen über die Kommunikation mit Erwachsenen, indem sie mit Blickkontakt und durch Zeigegesten eine gemeinsame Ausrichtung der Aufmerksamkeit erreichen und die Dinge und Personen der Umwelt benennen. Kinder und Bezugspersonen weisen in diesen frühen Austauschprozessen gemein-sam auf Gegenstände und Personen hin. Durch Hinweisen mit Gesten, durch Zeigen und der Verwendung von Äußerungen wie „da“ und „dort“ lernen Kinder Sprache und Gegenstände bzw. Personen miteinander zu verbinden und erwerben somit die Fähigkeit des Benennens. Erst danach können sie einen Bezug zwischen den Wörtern und den Personen oder Gegenständen herstellen. Schließlich erwerben Kinder darauf aufbauende kommunikative Fähigkeiten und Sprache vor allem in intensiven sprachlichen Situationen, die immer gleich bleibend zwischen Bezugspersonen und ihnen ablaufen und ihnen den Übergang von der vorsprachlichen zur sprachlichen Kommunikation erleichtern. Auch später spielen noch routinierte Handlungssituationen im Alltag diesbezüglich eine bedeutende Rolle.

Nicht nur Worte, sondern auch Blicke, Mimik, Körperhaltung, Laute, Gestik sind also Möglichkeiten sich mitzuteilen. Bilder, Symbole und Gebärden sind wichtige Hilfen, um sich ohne Worte auszudrücken.

Je eingeschränkter die kommunikativen Möglichkeiten eines Menschen sind, desto geringer ist seine Möglichkeit Beziehungen aufzubauen, sich selbst darzustellen, Gefühle, Bedürfnisse,   
Wünsche und Ideen auszudrücken; es braucht unter diesen Um-ständen für die Entwicklung seiner kommunikativen und sprachlichen Fähigkeiten besondere Unterstützung und Förderung – ansonsten folgt eine entsprechend große Abhängigkeit und Fremdbestimmung durch die Umwelt.

Kinder schauen Bilderbuch anDie meisten unserer Kinder im Schulkindergarten sind auf Grund ihrer geistigen und/oder körperlichen Behinderungen in ihrer Sprachentwicklung/ Kommunikationsfähig-keit beeinträchtigt.

Unser Anliegen ist es, die Ausdrucksmöglichkeiten der einzelnen Kinder genau wahr-zunehmen und schrittweise zu erweitern. Wichtig ist es dabei einerseits genau zu be-obachten, welche kommunikativen Möglichkeiten einem Kind zur Verfügung stehen, um darauf aufbauend zu versuchen dem einzelnen Kind ein individuelles Kommunikationssystem anzubieten, das ihm entweder ergänzend oder alternativ zur Laut-sprache Kommunikation möglich macht. Andernseits ist dafür grundlegend eine Atmosphäre, in der das Kind erlebt: „Ich werde beachtet, ich werde ernst genommen, ich kann etwas erreichen und ich kann etwas entscheiden.“

Die Förderung einer ganzheitlichen Kommunikationsfähigkeit ist deshalb Unterrichtsprinzip in allen Lernbereichen und durchzieht den gesamten Kindergartenalltag – auch in der Einzelförderung/-situation.

Sprachförderung

Kinder erwerben Sprache durch Imitation und Verstärkung, unbewusst-intuitiv, ganzheitlich, in Interaktion und konkreter Handlung. An diesen Prinzipien wird Sprachförderung im Kindergarten angesetzt, um Kinder wirklich zu erreichen und sie in ihrer Entwicklung zu unterstützen; das gilt für ein- und zweisprachig aufwachsende Kinder gleichermaßen.

Sprachförderung findet den ganzen Tag hindurch – per intensivem Dialog zwischen Kind und Lehrkraft, welche ihre Sprache vorbildhaft und den Bedürfnissen des Kindes angepasst einsetzt – begleitend statt. Angefangen bei der Begrüßung am Morgen bis hin zu immer wiederkehrenden Versen, Liedern, Reimen, Bilderbücher (vorlesen, betrachten, erzählen und wiedergeben), Sprechzeichnen (Formen- oder Figuren malen in Verbindung mit rhythmischen Versen), „Erzählzeiten“ (von Erlebtem, Gesehenem, Gehörtem …) , Spielen, in denen Sprache eine zentrale Bedeutung hat, sowie Rollen- oder Puppenspielen, usw. Durch die Verbindung mit den entsprechenden Gebärden soll das Sprachverständnis und der Anreiz zur aktiven Sprache gefördert werden. Kinder mit mangelnden deutschen Sprachkenntnissen werden sowohl im Alltag des Kindergartens als auch durch gezielte Übung innerhalb der Gruppe, sowie in der Einzelsituation, spielerisch aber intensiv im passiven wie aktiven Wortschatz und der Grammatik gefördert.

In unserer Institution begegnen wir immer wieder Kindern mit Sprachstörungen, bei  denen die unterschiedlichsten Faktoren beteiligt sein können (z.B. schlaffe oder verkrampfte Mundmuskulatur). Diese zu
erkennen ist die Aufgabe ausgebildeter Logopäden in freiberuflichen Praxen. Erhält ein Kind logopädische Förderung, so ist ein informeller Austausch mit dieser Fachkraft für uns selbstverständlich, sofern die Erziehungsberechtigten hierfür ihr Einverständnis erteilen.

Ergänzend dazu können wir im Kindergarten-Alltag spielerisch Förderelemente einbauen. Durch Blasespiele wie Wattepusten, Luftballon aufblasen, Singen oder Spielen eines Blasinstrumentes kann der Atemfluss spielerisch trainiert werden. Mund- und Gesichtsmotorik kann, etwa durch das Trinken mit dem Strohhalm, durch gezieltes Grimassieren oder durch Zungen- und Mundverse aktiviert werden. Diese Förderelemente werden in Gruppensituationen und auch durch unsere Sonderschullehrer in der Einzelförderung durchgeführt.

Unterstützte Kommunikation

Auch wer nicht sprechen kann hat viel zu sagen!!

Unterstützte Kommunikation beinhaltet alle pädagogischen und therapeutischen Maßnahmen, die eine Erweiterung der kommunikativen Möglichkeiten bei Menschen ohne oder mit wenig Lautsprache anstrebt.

Körpereigene Kommunikationsmittel
Sowohl Körperhaltung als auch Mimik und Gestik versuchen wir bewusst einzusetzen bzw. beim Kind wahrzunehmen, um es besser kennen zu lernen und verstehen zu können. Erst wenn ein Kind sich ernst genommen fühlt und merkt, dass es etwas zu agen hat entsteht bei ihm ein Kommunikationsverständnis, auf welches aufgebaut werden kann. Gleichzeitig wird auf die Weiterentwicklung im Bereich der eigenen Körperwahrnehmung, -steuerung geachtet.

Gebärden    
Wir verwenden in Absprache mit der benachbarten Schule für Geistigbehinderte den Einsatz der G
ebärdensammlung des Bundesverbandes ev. Behindertenhilfe e.V. „ Schau doch meine Hände an“.
Diese vereinfachten, natürlichen Gebärden wurden für nichtsprechende Menschen mit Behinderung entwickelt. Sie werden lautsprachbegleitend eingesetzt.
Voraussetzung ist ein Grundmaß an visomotorischen Fähigkeiten und eine positive Beziehung zwischen den Kommunikationspartnern sowie ein gewisses Symbolverständnis. So findet eine intensive Ganzkörperkommunikation statt.

Vokale Kommunikationsmittel
wie Sprachmelodie, -qualitäten (z.B. freundlich, wütend, fragend, fordernd) können Grundstimmungen und Gefühle ausdrücken. Diese versuchen auch wir bewusst einzusetzen. Klanggesten (z.B. Pfiff, Oh, Hmm, ..) können Aussagen unterstützen. Lautieren der Kinder vor der eigentlichen Verbalsprache versuchen wir wieder zu spiegeln und spielerisch zu variieren.

Visuelle Kommunikationsmittel

Realgegenstände
Auch ohne Verbalsprache und noch vor komplexerem Symbolverständnis kann ein Kind seine Wünsche äußern durch Zeigen auf reale Dinge, z.B. Auswählen von Frühstückszutaten, verschiedenen Morgenkreis-Spielen, Malfarben, etc.

Fotos
Individuell gestaltete Kommunikationsordner zu verschiedenen Themen (z.B. Mahlzeiten, Spiele, Spielpartner, Gefühle, Erlebtes erzählen) können sowohl im Kindergarten als auch zu Hause eingesetzt werden. Wünsche können wie z.B. beim Bildkartensystem „PECS“/“TEACCH“ durch Übergabe einer entsprechenden Fotokarte geäußert werden. Fotos kommen auch zum Einsatz bei Vermittlung von Tages- und Wochenstruktur (Stundenplanfotos, Wochenkalender mit Fotos der jeweiligen Lehrer, Therapeuten)

Grafische Symbole
Der Einsatz ist vergleichbar mit dem der  Fotos, erwartet aber bereits ein erweitertes Symbolverständnis. Symbolzeichen der einzelnen Kinder finden diese z.B. am Garderobenplatz, ihrer Schublade, Handtuchhalter, Stuhl, Bett. Sie dienen als Orientierung im Alltag („Hier ist mein Platz“). Eine „Ja/Nein“-Karte ermöglicht Kindern ohne Lautsprache auf Fragen zu antworten.Kleine eigene Mitteilungen mit Hilfe des „Pfeil-Satzes“     Ben ž   “    bewegen sich bereits in der ersten Lesevorstufe.

Elektronische Hilfsmittel
Eine weitere Möglichkeit der Kommunikation für nicht sprechende Kinder ist der Einsatz elektronischer Hilfsmittel. Hier gibt es eine Vielzahl verschiedener Systeme, die jeweils an das entsprechende Kind angepasst werden können. Auf einfache „Ein-Tasten“- Systeme können kleinere Nachrichten gesprochen werden (z.B. was das Kind im Kindergarten erlebt hat). Diese Nachricht kann das Kind später zuhause durch einen einzigen Knopfdruck abspielen.
Komplexere Systeme können um ein Vielfaches mehr an Mitteilungen speichern und funktionieren ähnlich wie eine Tastatur. Die Tasten belegt man, je nach Voraussetzungen beim Kind, mit Schrift, einzelnen Buchstaben, Bildern oder Symbolen. Auch für motorisch stark eingeschränkte Menschen gibt es mittlerweile gute Möglichkeiten mit einem solchen Kommunikationsgerät zu arbeiten (Fingerführraster, Möglichkeit der Kopf- oder Mundsteuerung, Halterungen für Rollstühle usw.).

Gestützte Kommunikation Frau mit Kind schauen Ordner an
Die Gestützte Kommunikation oder FC (englisch für „facilitated communication“) gehört zum Methodenspektrum der Unterstützten Kommunikation und lässt sich gut ergänzend zu den Methoden der Unterstützten Kommunikation einsetzen.

Unter FC versteht man eine physische, verbale und emotionale Hilfestellung, die eine Stützperson einem Menschen mit schwerer Kommunikationsstörung und neuromotorischen Beeinträchtigungen gibt, damit dieser –z.B. gestützt an Hand, Handgelenk, Ellenbogen oder Schulter – gezielt auf Objekte, Bilder, Symbole, Wörter und/oder Buchstaben zeigen kann, um sich so mitzuteilen. Die Stütze ermöglicht dem FC- Anwender, seine Bewegungen besser zu kontrollieren und im gewünschten Augenblick auf das Gewünschte zu zeigen. Die Stützperson führt dabei nicht, sondern gibt dem Impuls des FC-Anwenders nach. Ziel ist es, die Stütze möglichst mehr und mehr zurückzunehmen, evtl. überflüssig werden zu lassen.

Die Kinder üben sich in kommunikativen Tätigkeiten und entwickeln somit ihre emotionalen, kognitiven und sozialen Fähigkeiten. Durch den Gebrauch von Lautsprache und/  oder „Unterstützter Kommunikation“ erleben sie, dass sie Wünsche äußern, Informationen geben und von Mitmenschen verstanden werden können. Sie erfahren Freude an der Gestaltung von kommunikativen Situationen und ihr Selbstwertgefühl wird gesteigert.

Kommunikationsförderung kann also ganz unterschiedlich aussehen:
Ein Kind, das nicht sprechen kann, lernt z.B. auf einer Tafel mit Fotos zu zeigen, was es Spielen möchte. Ein anderes erzählt anhand von Symbolen zu Hause, was es im Kindergarten gemacht hat. Wieder andere üben beim Seifenblasenblubbern ihre mundmotorische Fähigkeiten, die für das Sprechen lernen wichtig sind oder erweitern ihren Wortschatz spielerisch mit Sprechversen, Fingerspielen und Liedern. Auch der Umgang mit elektronischen Hilfsmittel und vereinzelt der Einsatz des Computers  kommt zum Tragen.