Bewegungs- und Entspannungsangebote

Bewegung ist eine Äußerung des ganzen Menschen und die elementarste Lebensäußerung schlechthin. Die Bedeutung der Bewegung kann von uns als Lehrende in unterschiedliche Einzelfunktionen zergliedert werden; vom Kind aber wird sie stets in der Ganzheitlichkeit von Körper, Geist und Seele erfahren.
Bewegung dient der Erlangung von Handlungsfähigkeit und der Verbesserung von Handlungskompetenz. Das Kind soll auf seinem individuellen Entwicklungsstand zu einer sinnvollen und kompetenten Auseinandersetzung mit sich selbst, seiner dinglichen und sozialen Umwelt befähigt werden.

Bewegungserfahrungen sind KörpererfahrungenTurnen und balancieren
Durch und in Bewegung erprobt das Kind seinen Körper; es lernt mit ihm umzugehen, ihn einzuschätzen, seine Signale zu beobachten. Es ist mit seinem Körper eins, es drückt seine Gefühle unmittelbar im körperlichen Erleben aus. Empfindungen, Erleben und Bewegen sind noch direkt miteinander verknüpft. Im ständigen Bewegen, Experimentieren und Erproben seiner Bewegungsmöglichkeiten lernt das Kind nicht nur seinen Körper kennen, sondern gewinnt auch eine Einstellung zu seinem Leib. Das Bild, das sich ein Kind von sich selbst macht und das Zutrauen, das es in seine Fähigkeiten entwickelt ist maßgeblich geprägt durch die Körpererfahrungen der ersten Jahre.

Bewegungserfahrungen sind Sinneserfahrungen                  
Sinnliche Wahrnehmungen wie das Fühlen, Riechen, Schmecken, Tasten, Hören und Sehen eröffnen dem Kind handelnd einen Zugang zur Welt, liefern ihm Informationen und Empfindungen, auf die das Kind in der Bewegung antwortet. Wahrnehmung und Bewegung sind als eine sich wechselseitig bedingende Einheit zu sehen. Die Wahrnehmung der Welt durch die Sinne ist nicht zu trennen von der Bedeutung, dem individuellen Sinn, den eine Situation, ein motorisches Problem oder ein bestimmtes Material für das Kind in sich birgt.

Bewegungserfahrungen sind Umwelterfahrungen      
Über Bewegung gewinnt das Kind Kontakt zu seiner Umwelt; Bewegung verbindet seine Innenwelt mit der Außenwelt. Im Handeln lernt es Ursachen und Wirkungszusammenhänge kennen und begreifen, es bildet Begriffe. Das Kind macht Erfahrungen aus erster Hand, ist aktiv, erforscht, erprobt, macht Fehler, findet Lösungen und erweitert dabei seine Konzentration und Ausdauer.Geistige Entwicklung entsteht durch Bewegung. Durch die sinnliche Erfahrung im Tun selbst bilden sich elementare Handlungsmuster heraus, mit denen sich das Kind seine Umwelt erschließt.

Bewegungserfahrungen sind Sozialerfahrungen                      
Bereits im Mutterleib sind Bewegungen auch Mitteilungen und rufen sowohl bei Mutter als auch beim Kind Reaktionen und Resonanzen hervor: Lange vor dem Sprechen stehen wir mit unserem Körper, seinem Ausdruck und seinen Bewegungen sozusagen „leibhaftig“ im Dialog mit der sozialen Umgebung.
Bewegung ist für  das Kleinkind in diesem Sinne die wesentlichste Form der Kommunikation und Interaktion mit anderen. Auch in der weiteren Entwicklung bestimmen körperliche Fähigkeiten und Geschicklichkeit die sozialen Beziehungen in der Gruppe, d.h. mit anderen gemeinsam etwas tun, miteinander zu  kommunizieren/sich auseinander zu setzen, Gefühle und Empfindungen in Bewegung auszudrücken …

Kinder beim KletternAuf diesem Fundament können sich grundlegende Fähigkeiten wie Gleichgewicht, Eigenwahrnehmung, ein klares Körperschema, Raumorientierung, grob- und fein-motorische Bewegungskoordination und die Integration der Sinne entwickeln. Konzentration, Leistungsfähigkeit, Motivation, Ausdauer, Kreativität, emotionale und soziale Intelligenz sowie die Entwicklung eines guten Selbstbewusstseins und Sicherheit im Umgang mit dem eigenen Körper bauen darauf auf. Zudem ist ausreichende Bewegung auch Basis für weitere Entwicklungs- und Erkenntnisprozesse.

Entsprechend hätte eine Vernachlässigung der Bewegungsbedürfnisse und der dadurch entstehende Verlust an Erfahrungen nicht nur gravierende Folgen für die motorische Entwicklung, sondern für die gesamte kindliche Entfaltung. Zur ganzheitlichen Lernförderung von Kindern tragen wir durch Bewegung, Lieder, Spiele, Reime und Rhythmus bei, aber auch – insbesondere im Hinblick auf feinmotorische Übungen – per Spielen mit Bausteinen, Steckmaterialien, Puzzles, diddaktischem Material, Koordinations-, Sinnes- und Wahrnehmungsmaterialien. Weitere Angebote wie Basteln und Werken, Schneiden, Kleben, Fädeln, Malen, Modellieren … kommen ergänzend hinzu.

Zur Förderung der Bewegungsentwicklung nutzen wir vor allem natürliche kindliche Verhaltenseigenschaften wie beispielsweise den kindlichen Bewegungsdrang, Neugierde, Spieltrieb, Phantasie und Kreativität, Aktivität und das Nachahmungsbedürfnis.

Wir Erwachsene wollen bei Bewegungserlebnissen der ermutigende Vertraute sein, der dem Kind hilft, sich neue Erfahrungsräume zu erschließen. Wir wollen die Kinder …

  • auffordern, aber sie nicht drängen
  • sie anregen, aber sie nicht zwingen
  • Freiheit gewähren und Grenzen setzen
  • Verantwortung übertragen und Überforderung vermeiden
  • da sein, wenn sie Hilfe brauchen, aber nicht über behüten
  • gleichwertiger Spielpartner sein, aber das Kind selbst aktiv sein lassen

Freie Bewegungsgelegenheiten / situative Bewegungsanlässe:

Bewegung gehört zur alltäglichen Beschäftigung von Kindern. Auch toben, rennen, klettern, krabbeln, springen, turnen an Geräten und sich verausgaben sind wichtig.

Möglichkeiten hierzu bieten sich unseren Kindern während …

  • des Freispieles
  • bei Exkursionen und Spaziergängen
  • Bewegungspausen im Alltag
  • in Pausensituationen

Zur Bewegung gehört auch Entspannung:Kinder beim schaukel
Als Gegenpol zur motorischen Aktivität benötigen die Kinder aber auch Ruhe- und Entspannungsphasen, welche die Selbstwahrnehmung und Konzentration schulen, die Fantasie anregen sowie Kreativität und Einfühlungsvermögen fördern sowie die Sinne sensibilisieren. Dazu setzen wir Entspannungsspiele und –geschichten, Snoezelen im Dunkelraum, Musik und Massagen ein und vermitteln damit den Kindern ein Gefühl der Geborgenheit und des Wohlfühlens.

Handling                   
Je nach Art und Umfang körperlicher Beeinträchtigungen benötigen manche Kinder zielgerichtete Unterstützung in der Bewegungsausführung. Im sogenannten „Handling“ wird bei alltäglichen Verrichtungen wie Heben, Tragen, Wickeln, Toilettengang, An-/Ausziehen … das Kind in der für es speziell  günstigsten und förderlichsten Weise bewegt und zu Aktivitäten angeregt, die seine spezifischen Probleme durch die wiederholte alltägliche Übung verringern hilft. Ferner wird im Alltag auf problemorientierte Lagerung des Kindes in allen Positionen (liegen-sitzen- stehen) geachtet – sowohl im Kindergarten als auch zu hause.
Für die Fortbewegung sollte Vielseitigkeit angestrebt und geübt werden (zum Beispiel drehen, rollen, krabbeln, gehen, hüpfen, rennen mit dem eigenen Körper als auch mit Hilf
smitteln).